Tennis – sportartspezifisches Training

Im zweiten Teil der Reihe „sportartspezifisches Training“ möchte ich das Tennis ein wenig näher beleuchten, um aufbauend auf einer Sportbelastungsanalyse generelle Trainingsempfehlungen geben und häufig auftretenden Beschwerden entgegenwirken zu können.

Zu allererst ist festzustellen, dass es sich bei den meisten Tennisverletzungen um Überbeanspruchung handelt. Die am häufigsten verletzten Regionen sind dabei die unteren Extremitäten, gefolgt von den oberen Extremitäten und dem Kopf- bzw. Halsbereich.

Betrachtet man die unteren Extremitäten, so sind dort Verletzungen am häufigsten im Bereich der Unterschenkel und des Sprunggelenks zu finden.

Die Verletzungen der oberen Extremitäten treten vor allem im Bereich des Ellenbogens und der Schulter (hier vor allem der Sehnen und Bänder) auf.

Um ein individualisiertes Trainingsprogramm für den Klienten zu erarbeiten, empfiehlt es sich auf jeden Fall eine individuelle Bewegungsanalyse durchzuführen, um seine Stärken und Schwächen herauszufinden. Dennoch sollte man sich im Klaren darüber sein, dass der Kunde durch das Tennis vielleicht bereits bestimmte Probleme (Schmerzen oder Dysbalancen) mitbringt. Um diese gezielt angehen zu können, schadet es nicht, wenn man sich ein wenig mit der Biomechanik des Tennis auseinandersetzt.

 

Die Schulter

Überlastungsschäden treten hier vor allem in Form von Rotatorenmanschettenproblemen und Bizepssehnenproblemen auf. Vor allem die hohe Anforderung an die konzentrische und exzentrische Fähigkeit dieser beiden Systeme und eine zugrundeliegende Hypermobilität sind oftmals eine fatale Kombination. Dabei sollte vor allem die muskuläre Kontrolle des Schultergelenks eine Hauptzielsetzung jeglichen sportartspezifischen Trainings sein. Auf die Fixierung des glenohumeralen Gelenks beim Aufschlag und die ausreichende exzentrische Aktivierung der Rotatorenmanschette bei der Vorhand, sollte hier das Augenmerk gelegt werden. Des Weiteren sollten noch Dysbalancen im Bereich der Innen- und Außenrotation des Armes weitestgehend behoben werden. Grundsätzlich lässt sich also festhalten, dass ein gutes sportartspezifisches Training Dysfunktionen in der Schulter (Stabilisation und Abbremsfähigkeit) und muskulären Schwächen im oberen Rücken sowie im Brustkorb entgegenwirken sollte.

 

Der Ellenbogen

Ellenbogenbeschwerden kommen zumeist von andauernden Wiederholungen und treten vor allem im Bereich der Sehnen auf, welche am medialen und lateralen Epicondylus ansetzen. Mediale Probleme treten dabei häufiger bei Vorhandspielern, laterale Probleme häufiger bei Rückhandspielern auf.

Generelle Trainingsempfehlungen im Bereich des Ellenbogens beziehen sich daher auf eine Stärkung und Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der Unterarm- und Handkraft. Dabei sollte auch nicht das spezifische Miteinbinden der Pronations- und Supinationsbewegung vergessen werden. Bei allem Fokus auf die Kraftverbesserung im Oberarm sollte dabei jedoch nicht vergessen werden, dass im Oberarm nur die Kraftübertragung auf den Schläger stattfindet, die durch die kinetische Kette ausgelöst wird, welche sich durch den gesamten Oberkörper zieht. Es gibt sogar Studien, die den Verdacht nähren, dass ein übertriebenes, isoliertes Training der Armmuskulatur Ellenbogenverletzungen sogar noch begünstigt. Deshalb sollte auch beim Tennis das Coretraining als Training des Kraftzentrums nicht unbeachtet gelassen werden.

 

Im nächsten Teil widme ich mich dann dem unteren Rücken und der Hüfte.

Euer Ralph

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