Helfen proteinreiche Diäten bei der Gewichtsreduktion?

Proteine

Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass uns das sture Kalorienzählen oft nicht viel bringt, stattdessen sollten wir lieber den Eiweißanteil unserer Nahrung erhöhen!

Wir sind es gewohnt, dass der Energiegehalt unserer Nahrung in Kilokalorien angegeben wird – doch neue Studien haben nun gezeigt, dass dieses Prinzip viel zu einfach ist.

Anhand von Beobachtungsstudien mit Affen konnte man nun erkennen, dass die gesamte Energiezufuhr nicht so bedeutend für uns ist, wie gar ein ausgewogener Anteil an den Makronährstoffen Kohlenhydrate, Fette und Proteine.

Der Ernährungswissenschaftler Professor David Raubenheimer von der Universität in Sydney: “Unsere Nahrung besteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Nährstoffen, die nicht unabhängig voneinander, sondern in der Kombination mit den jeweils Anderen unterschiedliche Wirkungen zeigen. Unser Appetit nach bestimmten Nährstoffen steht in ständiger Konkurrenz mit deren Einfluss durch unsere Nahrung.”

Wenn die Makronährstoffe mit unserem Essen ausgewogen zugeführt werden, entsteht diese Konkurrenz gar nicht erst. Wenn der Bedarf einer Nährstoffgruppe abgedeckt ist, so sind die anderen auch abgedeckt.

Viele Nahrungsmittel haben allerdings entweder ein zu hohes oder ein zu niedriges Verhältnis von Proteinen zu Kohlenhydraten als tatsächlich nötig.

Um dennoch eine ausreichende Menge an Proteinen zu erreichen, muss das Tier entweder zu viel Fette und Kohlenhydrate oder zu wenig, als dem Appetit tatsächlich entsprechend, aufnehmen.

Die Forscher untersuchten Paviane, die am Rande von menschlichen Siedlungen lebten.

Trotz dem sie jeden Tag unterschiedliche Kombinationen an Nährstoffen zusichgenommen haben, konnten sie ein konstantes Gleichgewicht erreichen, bei dem 20% der benötigten Energie aus den zugeführten Proteinen gewonnen wird.

Ihre Gesamtenergiezufuhr variierte stark – manchmal sogar bis zu dem fünffachen Umfang.

Gemäß Professor Raubenheimer: “Dies spricht dafür, dass die Paviane die richtige Zusammensetzung ihrer Gesamtenergiezufuhr ganz von selbst regeln.”

Andere Studien haben gezeigt, dass Klammeraffen wie auch Orang-Utans Nahrung hamstern, um eine ausgewogene Ernährung gewährleisten zu können.

Wenn sie sich saisonal bedingt nicht ausgewogen ernähren können, nehmen sie dennoch die notwendige Menge an Proteinen zu sich – auch wenn das bedeutet, dass sie zu wenig oder auch zu viel Fette und Kohlenhydrate essen müssen.

Überraschenderweise kann man bei Gorillas ein gegenteiliges Verhalten beobachten. Gorillas sind darauf bedacht, täglich ihre benötigte Menge an Kohlenhydraten aufzunehmen; dafür achten sie nicht auf die nötige Proteinmenge und essen auch schonmal viel zu viel.

“Dies zeigt, dass es sogar Unterschiede zwischen sehr eng verwandten Primaten bezüglich des Essverhaltens gibt.”, sagt Professor Raubenheimer. “ Es macht außerdem deutlich, dass ein Denkansatz, der sich ausschließlich auf die Energiemenge beruft, nicht ausreichend ist, um das Hamstern von Primaten zu verstehen oder gar Beschlüsse für den Naturschutz zu treffen.”

Wie Klammeraffen und Orang-Utans, sollten auch wir Menschen den Proteinen einen höheren Stellenwert einräumen, als dem Fett und den Kohlenhydraten. Das bedeutet, dass wir bei einer Diät mit reduziertem Eiweißanteil, viel zu viele Kohlenhydrate, Fette und damit Energie zu uns nehmen, um unsere täglich benötigte Proteinmenge erreichen zu können.

Das könnte eine Erklärung für die steigende Zahl an Adipositas Erkrankten in den westlichen Teilen der Erde in den vergangenen 60 Jahren sein, da der Proteinanteil in unseren Diäten immer mehr gesunken ist.

Professor Raubenheimer stellt fest: “Diese Informationen können uns helfen, besser mit Adipositas umzugehen und versuchen, sie vorzubeugen, indem wir in unseren Diäten eine ausreichende Menge an Eiweiß sicherstellen.”

Das könnte auch der Grund dafür sein, wieso Ernährungsformen mit einem sehr hohen Proteinanteil, wie beispielsweise die Atkins Diät, dabei helfen, Gewicht zu verlieren.

Professor Raubenheimer warnt uns aber: “Wir müssen ebenso ein ausgewogenes Verhältnis an Fetten zu Kohlenhydraten finden. Eiweißdiäten können uns vielleicht dabei helfen, Gewicht zu verlieren, aber wenn damit eine Unausgewogenheit der übrigen Nährstoffe einhergeht, kann das eine Menge anderer gesundheitlicher Probleme mit sich bringen.”

Abschließend bleibt Professor Raubenheimer zu sagen: “Eine ganz einfache Regel für eine gesunde Ernährung ist auf industriell verarbeitete Nahrungsmittel zu verzichten – je weniger verarbeitet, desto besser! Natürlich ist der Mensch als Allesesser bekannt, aber keine menschliche Bevölkerung hat je ‘mega-verarbeitete Nahrungsmittel’ vorgefunden, die aus industriell hergestelltem Zucker, Salz und Stärke bestehen. Unser Körper und unser Appetit sind nicht auf Kekse, Kuchen, Pizza oder Soft Drinks ausgelegt; aber wir essen trotzdem viel zu viel davon!”

 

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