Faszien – ein Sinnesorgan?

Noch immer weiß man nicht ganz genau, was die Entspannung der Faszien beim Arbeiten mit diesen hervorruft, obwohl diese Entspannung sowohl vom Trainer/ Therapeuten als auch vom Kunden/ Patienten wahrgenommen wird. Dieses Empfinden stützt die Hypothese, dass das Nervensystem bei faszialen Arbeiten einen wesentlichen Anteil dazu beiträgt.

Faszien, die sich am äußeren Rand befinden, sind reich an sympathischen Nervenendigungen, woraus man auf eine enge Kommunikation mit dem Nervensystem schließen kann. Glatte Muskelzellen werden zumeist über das vegetative Nervensystem innerviert. Aus diesem Grund liegt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich bei den Faszien genauso verhält. Ein wichtiges Argument also, wenn man davon ausgeht, dass jede Änderung im Vegetativum zu einer Veränderung der Faszien führt.

Betrachtet man die Nervenendigungen im menschlichen Körper, so sollte man sich dabei die folgenden Nervenendigungen genauer ansehen, da sie für die Faszienplastizität eine große Rolle spielen.

Golgi – Rezeptoren

  • Liegen vor allem im Bereich von Muskel – Sehnen – Übergängen
  • Treten auch in Gelenkkapseln und Bändern auf
  • Aufgabe besteht darin, auf eine zu schnelle Tonussteigerung mit einer Tonussenkung der dazugehörigen Muskulatur zu reagieren
  • Aktvierung findet nicht alleine über eine passive Dehnung, sondern über muskuläre Aktivität statt
  • Empfehlung: Tiefe, feste Dehnung mit gleichzeitiger muskulärer Aktivität

 

Vater – Pacini – Rezeptoren

  • Kommen in der Kapselschicht und in den Muskel – Sehnenübergängen vor
  • Reagieren auf rasche Dehnungswechsel und Vibrationen mit einer propriozeptiven Antwort
  • Empfehlung: Arbeiten mit hohen Geschwindigkeiten

 

Ruffini – Rezeptoren

  • Kommen in peripheren Gelenken und äußeren Kapselschichten vor
  • Häufiges Vorkommen in Geweben, die auf eine regelmäßige Dehnung ausgelegt sind
  • Reagieren ähnlich wie die oben genannten Vater – Pacini – Rezeptoren, jedoch am besten auf tangentiale Kräfte
  • Die Aktivierung dieser Rezeptoren bedingt eine allgemeine Sympathikussenkung
  • Empfehlung: Langsame, weiche Techniken, die mit Querdehnungen versehen werden

 

Interstitielle Rezeptoren

  • Hier befinden wir uns forschungsmäßig noch in den Kinderschuhen
  • Einige dieser Rezeptoren lassen sich als Schmerzrezeptoren klassifizieren
  • Treten vor allem im Periost (Knochenhaut) und in den großen Faszien auf
  • 50 % der interstitiellen Rezeptoren reagieren dabei auf starke, die anderen 50 % auf schwache mechanische Reize
  • Bisher ist nur die Wirkung der starken Reize näher erforscht (Erhöhung des Wassergehaltes im bearbeiteten Gewebe)
  • Die aktuelle wissenschaftliche Datenlage legt die Vermutung nahe, dass diese Rezeptoren auch propriozeptive und interozeptive Funktionen haben. Vor allem dieser Punkt könnte maßgeblich dafür verantwortlich sein, dass Faszien bei einigen Autoren auch als Spiegel der Emotionen angesehen werden.

 

Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Exkurs in die Wissenschaft verdeutlichen konnte, dass es sich bei den Faszien um ein sehr komplexes „Organ“ handelt. Die Komplexität im Aufbau und der Funktion sollte demnach auch beim Arbeiten mit Faszien berücksichtigt werden.

 

Euer Ralph

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