Faszien – ein kleiner Einblick in den aktuellen Wissensstand

Im zweiten Teil meiner Betrachtung der Faszien möchte ich ein wenig den aktuellen Stand der Forschung beleuchten, ohne dabei den Anspruch auf Vollkommenheit zu erheben, denn gerade sind wieder neue Abhandlungen erschienen.

Faszien werden schon lange nicht mehr nur als eine Art Füllgewebe angesehen. Sie rücken immer mehr in den Vordergrund, da sie einen großen Anteil an der Informationsweitergabe und Haltung besitzen. Besonders interessant ist, dass bestehende mechanische Thesen über die Formveränderung infrage gestellt und durch neue Ansichten (aktive Faszienkontraktilität und Mechanorezeptorenfunktion) erweitert werden.

Faszien besitzen demnach kontraktile Zellen (Myofibroblasten), welche eine ähnliche Eigenschaft wie glatte Muskelzellen besitzen. Bisher wurden diese Zellen beispielsweise in Sehnen, Bändern, Organen und der Fascia plantaris, Fascia lumbalis und Fascia cruris gefunden. Dennoch konnte noch nicht geklärt werden, ob alle Faszien kontraktile Elemente besitzen und wenn ja wie viele.

Interessanterweise konnte sicher bewiesen werden, dass die Fascia lumbalis eine wesentlich höhere Dichte an Myofibroblasten aufweist als die Fascia plantaris. Ob hier ein Zusammenhang zu chronischen Rückenschmerzen besteht, konnte allerdings noch nicht abschließend geklärt werden.

Betrachtet man die Faszien tonischer Muskeln so ist dort ein eher verdichtetes, festes und dickes Perimysium (Schicht des Bindegewebes) vorzufinden, während die phasischen Muskeln eher ein zartes und dünnes Perimysium aufweisen. Dies könnte die Annahme bestätigen, dass Faszien dazu in der Lage sind, eigenständig zu kontrahieren oder dass die erhöhte Verspannungsneigung von tonischen Muskeln (z.B. der Trapezmuskel) in dieser Tatsache ihren Ursprung haben.

Dass Faszien ein „Eigenleben“ besitzen und nicht nur durch körperliche Anstrengung, sondern auch durch andere Einflüsse kontrahieren, konnte bereits in Studien bewiesen werden. So reagieren beispielsweise die Myofibroblasten mit Tonussteigerung, wenn im Blut permanent niedrige CO2 – Werte vorliegen (vor allem bei Brustatmern) oder wenn es zu einer Erhöhung der Serotoninwerte kommt. Der Schluss liegt also nahe, dass die Faszien, ebenso wie die glatte Muskulatur, durch das autonome Nervensystem und somit zum größten Teil durch den Sympathikus angesprochen werden.

Mögliche Schlussfolgerung für das Arbeiten mit Kunden:

Wie im letzten Artikel bereits beschrieben, sind Faszien aufgrund ihres Aufbaus ein sehr komplexes Gebilde. Diese Komplexität und Vielfältigkeit machen es zum einem spannend mit ihnen zu arbeiten, da eigentlich alles im Bereich Bewegung die Faszien miteinschließt; zum anderen wird jedoch deutlich, dass nicht nur die körperliche Aktivität Einfluss auf die Faszien besitzt. In diesem Zusammenhang könnte man noch wunderbar den Einfluss von Histamin oder Adrenalin auf die Faszien beschreiben, jedoch würde dies zu weit führen. Mir geht es vielmehr darum, dass uns als Trainer bewusst wird, dass wir beim Arbeiten mit dem Kunden auch immer seine mentale Verfassung im Hinterkopf behalten sollten, vor allem wenn es um chronische Verspannungen oder eingefahrene Bewegungsmuster geht. Ist sein Sympathikus permanent „On Fire“ und findet keine Deregulierung seitens des Parasympathikus statt, so lassen sich einige Dinge nicht wirklich nachhaltig lösen. Eine wunderbare und einfache Lösung für den Kunden ist in diesem Kontext das Erlernen einer Atemtechnik, die darauf abzielt, die Zwerchfellatmung „online“ zu bringen. Einmal beigebracht kann er diese Technik wunderbar im Alltag einsetzen und er wird sehr schnell eine Verbesserung der Grundanspannung erfahren.

Euer Ralph

 

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