Ein Appell zum Nachdenken, was wirklich durch Übungen passiert

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einige Anmerkungen zu weiteren Teilen der Schulterfunktion machen.

Aus aktuellem Anlass, möchte ich jedoch vielmehr Vorgehensweisen unter die Lupe nehmen, die als Allheilmittel angepriesen werden und bei näherer Betrachtungsweise zwar ihre Berechtigung haben, jedoch nicht als das A und O gelten sollten.

Will man die Schultermobilität verbessern und zieht dabei diverse Quellen zu Rate (Bücher oder das Internet), so kommt man an den sogenannten YS, TS und WS nicht vorbei. Laut „Produktbeschreibung“ sollen damit sämtliche Probleme, wie die weit verbreitete nach innen rotierte Schulter, behoben werden. Führt ein Klient die Übung durch, so erreicht er mit dieser Übungsfolge eine Kombination von Schulteradduktion und -depression. Soweit so gut. Das Hauptproblem, nämlich die instabile Schulter, wird mit dieser Herangehensweise nicht angegangen, da das Problem schlicht und einfach in der unkontrollierten Bewegung des Schulterblattes, im Folgenden UBS genannt, besteht. Als Ursache für die UBS gelten vielmehr a) eine mangelnde Integrität des ST – Gelenks und b) ein schlechtes Timing zwischen den Schulterblattstabilisatoren.

a)     Hier ist anzuführen, dass der untere Trapezius sowie der serratus anterior nicht richtig aktiviert werden und gleichzeitig der pectoralis minor überaktiv ist(als Muskel, der die Schulter nach vorne führt). Dies führt zu einem sogenannten anterior tilt des Schulterblattes, was man sich auch so vorstellen kann, dass sich das Schulterblatt vom Thorax weg bewegt. Betrachtet man unter diesem Aspekt nun die YS, TS and WS, die sich vor allem auf die Muskeln konzentrieren, welche die Adduktion und Retraktion (mittlerer Trapez und Rhomboiden) durchführen, so lässt sich daraus leicht erkennen, dass für das Hauptproblem nichts getan wird.

b)     Ziel eines guten Timings sollte es sein, dass die Stabilisatoren des Schulterblattes so eingesetzt werden, dass Sie das nach unten Führen des Schulterblattes kontrollieren. Meist gelingt des dem Klienten noch sehr gut, den Arm zu heben; senkt dieser den Arm jedoch ab, dann hat man das Gefühl, dass das Schulterblatt quasi unkontrolliert absinkt. Das Problem liegt hier im richtigen Dosieren der Exzentrik und leider korrigieren die YS, TS und WS dieses Problem nicht. Wenn ihr sicher gehen wollt, ob Euer Klient ein solches Problem hat (winging bzw. mangelnde Exzentrikkontrolle), so solltet ihr euch das Schulterblatt im Bereich von 45 Grad Schulterelevation näher betrachten. An diesem Punkt haben die Schulterblattstabilisatoren die schlechteste Ausgangsposition und Fehlsteuerungen sind am besten zu beobachten.

Auch wenn es sich bis jetzt so angehört hat, dass die YS, TS und WS keinen Sinn haben, so möchte ich doch klar stellen, dass diese Bewegungen durchaus ihren Sinn haben, nämlich wenn es darum geht, den Klienten eine Grundidee von Schulterbewegung zu vermitteln und Sie so auch dazu zu bringen, Schulterübungen durchzuführen. Dosiert und für eine kurze Zeit während eines Schulterprogramms eingesetzt, sind diese Bewegungen also durchaus wertvoll. Mir geht es vielmehr darum, gerade Übungen die im Moment sehr populär sind und quasi nach Meinung vieler Experten durchgeführt werden müssen, auch immer wieder hinsichtlich einer wichtigen Sache zu hinterfragen:

„ Ist es für meinen Klienten im Moment die richtige Übung, um seine Ziele langfristig zu sichern?“

P.s. Wer mit den im Beitrag genannten Übungen nicht vertraut ist, hier ein Video dazu:

 

Euer Ralph Appel

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