Dysfunktionen im Bewegungsapparat – Teil 2

Im ersten Teil der Schulterdysfunktionen, habe ich Euch kurz das levator scapula Zeichen nähergebracht. Nun möchte ich Euch eine weitere interessante Dysfunktion beschreiben, nämlich das sogenannte „anterior humeral glide syndrom“ (das Gleiten des vorderen Anteiles des Oberarmkopfes), im Folgenden nur noch AHGS genannt.

a)     Das AHGS

Diese Dysfunktion kann auftreten, wenn es zu muskulären Dysbalancen im Glenhumeral Gelenk kommt. Deutlich sichtbar wird dieses Ungleichgewicht, wenn die Schulter in eine Extension gezogen wird, denn bei dieser Bewegung kommt es zu einem Verlust der so wichtigen Gelenkszentrierung. Stellt man sich parallel zum Klienten, so ist am hinteren Anteil der Schulter oftmals eine Lücke tast- bzw. sogar sichtbar.

Bei Zugbewegungen (Rudern am Kabelzug) tritt diese Dysbalance in der konzentrischen, bei Drückbewegungen (horizontales Drücken am Kabelzug) in der exzentrischen Phase auf. Um dies auch dem Klienten zu verdeutlichen ist es ratsam, ihn diese Lücke selbst mit der freien Hand spüren zu lassen.

Betrachtet man die folgenden drei Gründe, warum es zum AHGS kommen kann näher, lassen sich mit ein bisschen Überlegen schnell die Gegenmaßnahmen von Seiten des Trainers ableiten:

1)     Unzureichende Mobilität der vorderen Gelenkkapsel. Ist diese Mobilität nicht ausreichend gewährleistet, so kann sich der Humeruskopf bei Bewegungen des Armes nicht ausreichend nach posterior bewegen, bleibt so nicht zentriert in der fossa glenoidalis, was zum sogenannten anterior shift des Humerus führt.

2)     Unzureichende Mobilität der posterioren Rotatoren (infraspinatus, teres minor und deltoideus posterior). Dies kann auch ein Grund dafür sein, dass der Humeruskopf nicht in der fossa glenoidalis zentriert bleiben kann.

3)     Muskuläres Ungleichgewicht als Ursache kann in diesem Fall zwei Gründe haben:

o   Der subscapularis (dessen Aufgabe es ist, den Humeruskopf in die Pfanne zu ziehen) ist gehemmt (Inhibition)

o   Der latissimus dorsi und teres minor (als interne Rotatoren) sind dominant und ziehen den Kopf nach vorne.

4)     Dysfunktion in der Beziehung zwischen Stabilisierung und Lösung von Bewegungssystemen:

 

Darauf möchte ich vor allem bei der Schulter ein wenig näher eingehen und bewusst machen, was man mit einer vermeintlich gut gemeinten Verbalisierung von Bewegungen anrichten kann, wenn der Klient diese Bewegung nicht ausführen kann. Auch hier gilt also: INDIVIDUALISIERUNG!

Beliebte verbale Anweisungen im Bezug auf die Schulter bei Zugbewegungen sind seit Menschengedenken:

o   „Ziehe deine Schultern zurück und runter“

o   „Presse deine Schulterblätter zusammen

 

Das ist vom Trainer sicherlich gut gemeint, denn oftmals ist seine Absicht dabei, dass der Klient beispielsweise daran erinnert wird keinen Rundrücken zu machen oder eben die Schultern zu aktivieren. Tatsache ist jedoch, dass man durch solche Anweisungen die Schulter funktionell verriegelt. Die Schulter reagiert dann auf diesen Vorgang mit einer kompensatorischen Erhöhung der Bewegung im glenohumeralen Gelenk (was wir eigentlich nicht wollen, s.o.). Ist die Schulter auf diese Weise verriegelt, bleibt der Schulter zur Bewegung des Gewichtes nur noch die Möglichkeit, den Humeruskopf nach anterior gleiten zu lassen. Wie oben jedoch bereits beschrieben, soll der Oberarmkopf bei idealen Bewegungen in der fossa glenoidalis zentriert bleiben und nicht nach vorne wandern.

 

Das wars von mir.

Viel Spaß beim Lesen und Beobachten.

Wie versprochen gibt es bald dann auch die passenden Lösungsansätze.

 

Euer Ralph Appel

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