Absatzschuhe – der erste Schritt auf dem Weg zu Rücken- und Kopfschmerzen

Absatzschuhe

Bevor die Schuhindustrie zum Zuge kam, stand der Mensch perfekt ausbalanciert und gleichmäßig auf seinen Füßen. Die Vorderseite und die Rückseite des Körpers waren gleich lang.

Durch den Einsatz vieler Schuhmodelle, schieben wir uns sozusagen einen „Keil“ von hinten unter die Füße. Ich verwende hier bewusst das Wort ‚Keil‘, denn nichts Anderes sind die Absätze, die sich in vielen Schuhmodellen befinden. Die Sache mit den Keilen bzw. Absätzen ist auch schon ein Indiz dafür, wie sehr wir eigentlich getäuscht werden. Würden wir alle von Keilen reden, würde kein Mensch auf die Idee kommen, sich so etwas zu kaufen, denn wer will schon Keile unter seinen Füßen haben? Absatz hört sich doch da gleich viel besser an.

Genug davon: Wenden wir uns nun dem zu, weshalb es aus biomechanischer Sicht nicht sinnvoll ist, sich Keile unter die Fersen zu legen:

Mit dem Absatz bzw. Keil erhöhen wir die Rückseite unseres Körpers und verschieben den Körperschwerpunkt nach vorn in Richtung Fußspitze. Wir kippen also nach vorn. Würden wir der Neigung des Keils mit dem ganzen Körper folgen, würde das sehr interessant aussehen und unser Kopf wäre schon immer 5 Minuten vor unseren Füßen am Ziel. Da diese Art der Fortbewegung jedoch nicht sehr ökonomisch wäre, richtet sich unser Körper wieder vom Becken aus in einer geraden Linie aus. Auf diese Weise schaffen wir ein weiteres Ungleichgewicht zwischen Ober- und Unterkörper. Die Folgen sind, dass sich der ganze Körper daraufhin verspannt und es zu vielfachen Irritationen im Körper kommen kann. Durch so etwas Einfaches wie Absätze, schafft es der „moderne“ Mensch seinen Körper, der Jahrmillionen im Gleichgewicht war, ins Ungleichgewicht zu stürzen. Das Tragischste daran ist, dass es ein schleichender Prozess ist, den wir kaum wahrnehmen und schon gar nicht als mögliche Ursache für Probleme, die anderswo im Körper auftreten, in Betracht ziehen. So verschiebt sich die Statik im Becken nach vorn und im Oberkörper nach hinten. Da die Bewegung des Körpers über Muskeln stattfindet, sind diese Systeme auch die Leidtragenden. Die Muskeln und vor allem die sie umhüllenden faszialen Bindegewebe der Wade verhärten, weil sie schlichtweg nicht mehr in ihrem vollen Bewegungsumfang benutzt werden. Durch so etwas Kleines wie unsere Absätze haben wir sprichwörtlich das Fundament unseres Hauses aus seinem Gleichgewicht gebracht. Das Schlimme jedoch ist, dass es dabei nicht bleibt. Gerät das Fundament ins Wanken, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die weiter oben liegenden Stockwerke. Als Folge verlieren nun die Knie- und Hüftgelenke ihre Symmetrie, was zur Folge hat, dass sich das Becken im Körper verschiebt. Es beginnt zu kippen und rotiert um die eigene Achse. Betrachtet man den Körper jedoch nicht nur isoliert, sondern als Bewegungseinheit, muss man in diesem Zusammenhang durchaus in Betracht ziehen, dass die Wirbelsäule, die sozusagen auf dem Becken aufbaut, mit einer Lateralflexion oder einer Rotation reagiert. Doch damit nicht genug: Der Kopf, am oberen Ende der Wirbelsäule befestigt, wird schließlich auch in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu einem typischen Muster, bei dem das Kinn nach vorne geschoben wird, die Schulter hochgezogen werden usw…. Die Liste der möglichen Folgen ließe sich hier nahezu unendlich fortsetzen. Sieht man sich diese Kaskade, die entstehen kann an, so muss sich keiner mehr über Nacken- und Rückenschmerzen wundern. Absätze sind per se keine gute Idee. Es ist wenig hilfreich, nur flache Absätze zu tragen. Der Körper ist eigentlich eine sehr weiche und bewegliche Struktur und durch den Einsatz von Keilen, reduzieren Sie sie nachweislich, indem Sie damit unter anderem die Elastizität des Bindegewebes reduzieren.

Um die Sache zu verdeutlichen ein kleiner Test, den ihr gerne ausführen könnt.

Stellt Euch barfuß auf einen flachen Boden. Öffnet Euren Mund. Beißt nun leicht auf Eure Zähne und merkt Euch die Berührungspunkte der Zähne.

Im nächsten Schritt stellt ihr Euch mit den Fersen auf ein Buch (die Höhe des Buches ruhig variieren).

Wiederholt nun den Vorgang nochmals und ihr werdet feststellen, dass sich die Bissstellen verändert haben.

Das Gute an unserem Körper ist, dass er die einmalige Fähigkeit besitzt, sehr viel zu tolerieren. Aus diesem Grund kann es durchaus sein, dass man erst nach Jahren des Benutzens von Absätzen überhaupt Probleme bekommt. Schlimm wird es erst dann, wenn die Probleme da sind. Daher ist es ratsam, bei Symptomen wie Beckenfehlstellungen, Rücken- und Nackenschmerzen auf alle Fälle auch immer die Schuhe des Kunden bzw. die Situation der Wadenmuskulatur in seine Überlegungen mit einzubeziehen.

 

Ralph Appel

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